Mentoren – vertrauensvolle Förderung
Was ist ein Mentor?
Eine neutrale Vertrauensperson mit Lebens- und Berufserfahrung, die dem Schüler bei Fragen zu Schule oder Berufswahl zur Verfügung steht bzw. Ansprechpartner vermittelt. Das individuell gestaltbare und persönliche Verhältnis zwischen Schüler/in und Mentor/in zeichnet ein Mentorenprogramm besonders aus.
Welche Aufgaben bzw. welchen Aufwand hat der Mentor?
Er stellt ein wenig Zeit zur Verfügung, um einen oder möglicherweise auch mehrere Schüler auf ihrem Weg mit Rat, Hilfe und gelegentlichem Nachfragen zu begleiten. Er gibt Einblick in seinen Berufsalltag, zeigt Interesse am schulischen Weg des Schülers und motiviert ihn durch dargebotene Perspektiven. Und er unterstützt ihn bei zusätzlichen außerschulischen Projekten.
Welchen Nutzen hat der Schüler?
Ihm werden unbürokratisch individuelle Informationen und Hilfestellungen gegeben, die ihm bei der Orientierung helfen. Das entgegengebrachte Interesse fordert und fördert ihn.
Welchen Gewinn hat der Mentor?
Er engagiert sich ehrenamtlich, hat Kontakt zu den Zukunftsträgern der Gesellschaft, kann sein Wissen, seine Fähigkeiten und seine Erfahrung weitergeben.
Was sind die Rahmenbedingungen des Programms?
Das Projekt ist noch in der Planungs- und Erprobungsphase. Zunächst sollen interessierte Schüler auf freiwilliger Basis ab der 10. Klasse die Möglichkeit der Teilnahme erhalten, mit der Option, bis auf weiteres je nach Bedarf bis zum Abitur begleitet zu werden.
Wie soll nun das Projekt mentorat ganz konkret aussehen?
Interessierte Schüler werden den Mentoren zugeteilt, die sich anschließend mit ihnen in Verbindung setzen. Die „Betreuung“ soll relativ frei, nach Bedarf und individuell unterschiedlich erfolgen. Hier ist das persönliche Engagement der Teilnehmenden ein wesentlicher Faktor. Sinnvoll scheint es, einige feste Ecktermine zu installieren: ein Vorstellungsgespräch am Beginn des Betreuungsverhältnisses, ebenso ein Abschlussgespräch; außerdem ein festes Gespräch pro Schulhalbjahr, das jedoch nicht zwingend immer mit einem persönlichen Treffen einhergehen muss. Denkbar ist auch ein kurzer schriftlicher Zwischenbericht mit Fragen bzw. Wünschen, der am Telefon besprochen wird o. ä. Darüber hinaus sollte der Mentor „jederzeit“ für Rückfragen zur Verfügung stehen.
Selbstverständlich müssen gewisse Standards eingehalten werden. Mit jedem potentiellen Mentor findet deshalb im Vorfeld von Seiten der GiZ-Initiatoren ein persönliches Gespräch statt. Im Vertrauensverhältnis zwischen Schüler und Mentor auftauchende Probleme können jederzeit an die Initiatoren gemeldet werden. Außerdem werden diese einmal gegen Ende des Schuljahres Schüler und Mentor zum Mentoren-Programm befragen, um Rückmeldung über die Effektivität, Probleme bei der Durchführung oder Missstände, aber auch über positive Erfahrungen zu erhalten.
Einige fiktive Beispiele sollen die Ausgestaltung veranschaulichen bzw. die Phantasie anregen:
Schülerin Tina G. hat am Beginn der 10. Klasse am AAG etwas Motivationsprobleme. Sie hat Interesse an einem schnellen Einstieg in die berufliche Praxis im Bereich Banken und Versicherungen. Sie ist sich nicht im Klaren darüber, welche Vorteile ihr der Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife tatsächlich bringt und ob sie danach überhaupt ein Studium beginnen soll. Herr B. Meier, 47, kennt die Probleme von Schülern in der gymnasialen Oberstufe und möchte sich als ehemaliger AAG-ler gern an seiner alten Schule engagieren. Er ist in einem größeren Industriebetrieb außerhalb Bayerns in leitender Funktion tätig, nachdem er ein BWL-Studium absolviert und einige Berufsjahre einschließlich eines Auslandseinsatzes bei einem anderen Unternehmen hinter sich gebracht hat. Inzwischen kennt er eine Menge Kollegen in der eigenen Firma und darüber hinaus. Es gelingt ihm, nachdem er sich mit ihr bekannt gemacht und ausgetauscht hat, Tina vorerst vom Beibehalten des eingeschlagenen Weges zu überzeugen. Er motiviert sie, sich auf eine von ihm schon vorab in die Wege geleitete Praktikumsstelle bei einer Regensburger Niederlassung einer Versicherungsanstalt zu bewerben. Er spricht mit ihr noch einmal kurz die Modalitäten der Bewerbung durch. Nach den zwei Wochen Praktikum in ihren Pfingstferien und einem anschließenden Email-Wechsel mit Herrn Meier ist sich Tina ihres Weges sicher. Herr Meier schlägt vor, auch weiterhin zur Verfügung zu stehen. Gut, dass er sich auf seinen Bekannten bei der Versicherung verlassen konnte: dieser war doch selbst mal Schüler, vielleicht sogar am AAG?
Max S., 11. Klasse, hat eigentlich schon immer Interesse am Beruf des Arztes. Weil in seiner Familie und seinem Bekanntenkreis niemand so richtig Auskunft geben kann, er aber gerne einmal hinter die Kulissen blicken möchte, wendet er sich an GiZ. Im Mentorat-Programm findet sich eine in einem Regensburger Krankenhaus angestellte Ärztin und ehemalige Schülerin des AAG, K. Heise (31), die sich nach ihrem Medizinstudium und dem Einstieg in die berufliche Praxis trotz der Belastungen auch für die Förderung der jungen Generation interessiert. Die Teilnahme am Mentorenprogramm des AAG gibt ihr die Möglichkeit, mit geringem Aufwand doch enorme Orientierungshilfe zu leisten. Außer Max „vermittelt“ sie im Schuljahr 2008/2009 auch zwei anderen Schülerinnen und Schülern Kurzpraktika bzw. Einblicke in ihren Beruf.
Lisa B., 10. Klasse, weiß nicht recht, was nach dem Abitur passieren soll. Aber eigentlich möchte sie sich schon frühzeitig mit ihrer Zukunft beschäftigen. Sie ist ein sehr kreativer, künstlerisch veranlagter Mensch. Ihre Eltern sähen es aber weitaus lieber, sie würde sich handfesten Dingen zuwenden. Ihr soll es einmal besser gehen, schließlich hat sie doch die Möglichkeit, nach dem Abitur ein aussichtsreiches Studium zu absolvieren, das ihr einen sicheren und ertragreichen Job in Aussicht stellt.
S. Behringer, ehemalige Schülerin des AAG, 42, hat nach dem Abitur zunächst ein Romanistik-Studium aufgenommen. Schon nach wenigen Semestern verbrachte sie aber trotz ihrer Liebe zur französischen Sprache und Frankreich mehr Zeit in der studentischen Schauspielgruppe oder über ihre satirisch-hintergründigen Bilder gebeugt als im Vorlesungssaal. Bald stellte sie sich die Frage, wie es weitergehen soll. Inzwischen ist sie an einer kleinen Bühne im Nordwesten Deutschlands tätig, nebenbei ist sie an einem internationalen Austauschprogramm für junge bildende Künstler engagiert und hat selbst schon erfolgreich einige Bilder verkauft. Sie weiß Bescheid über die Beschwernisse ihres Weges, möchte aber andererseits junge Menschen zu einem solchen Weg ermutigen und vielleicht ein paar Ratschläge geben, welche Fehler man künftig meiden könnte.
Lisa B. und S. Behringer können sich fast ausschließlich am Telefon austauschen. Doch auf diese Weise lernt Lisa viele Facetten kennen, die sie zum Teil positiv überraschen, zum Teil aber auch Illusionen entdecken.
Karl S. und Steffi L. (10. bzw. 11. Klasse) sind „Computerfreaks“. Sie wissen aber nicht, ob sie sich auch beruflich in dieser Richtung orientieren sollen und welche Möglichkeiten es da überhaupt gäbe. R. Sinner hat gerade sein Studium der Wirtschaftsinformatik hinter sich und hat sich auch während des Studiums schon für Kommilitonen im ersten Semester im Rahmen von Tutorien engagiert. Nun ist er bereit, auch an seiner ehemaligen Schule Auskunft und Tipps zu geben: zu seinem Studium, seiner ersten Arbeitsstelle und natürlich auch zur Schule. So hat er Kontakt zur alten Schule und kann neben seinem Beruf auch ein ganz anderes Engagement zeigen, das ihm einfach Spaß macht. Er ist hin und wieder ohnehin in Regensburg, möchte aber nur für wirklich interessierte Schüler seine Zeit investieren…
Linda F. hat noch keine Ahnung, in welcher Richtung sie sich später mal entwickeln könnte. Sie hat zwar ihr Betriebspraktikum am Beginn des 10. Schuljahres abgeleistet, doch das war ja nur ein einziger kurzer Einblick, den sie nicht missen, aber gerne ergänzen möchte. Aber sie weiß nicht genau, wie sie die Sache angehen soll.
H. Ernst (53) hat das AAG zwar schon vor vielen Jahren verlassen, doch seine beiden Töchter, die inzwischen endlich beide ihren Weg nach der Schule gefunden zu haben scheinen, haben ihm die Situation junger Menschen wieder ganz nahe vor Augen geführt. Er selbst hat zwar keinen exotischen Beruf, ist aber viel herumgekommen, hat viele Erfahrungen mit sich und seinen Töchtern gemacht und kennt viele angrenzende Berufsbereiche und Tätigkeitsfelder. Er wäre generell bereit, seine Erfahrungen weiterzugeben, weiß aber nicht, wie bzw. ist noch nie wirklich auf diese Idee gekommen. Als Ehemaliger des AAG hat er von der Initiative GiZ und dem Mentoren-Programm erfahren und nach einer gewissen Bedenkzeit die Stärken einer derartigen Sache erkannt.
Inzwischen betreut er pro Schuljahr zwei Schüler. Dabei sind seine Erfahrungen ganz unterschiedlich: Oft reicht ein gelegentlicher Ratschlag, eine Ermutigung; manchmal ist er mit einer Auskunftsbeschaffung sogar etwas länger beschäftigt, aber solche seltenen Herausforderungen machen ihm Freude. Zum Glück kann er sich auch bei anderen Mentoren Rat holen bzw. manches Anliegen weitervermitteln. Schließlich gibt es ja aus vielen Jahrgängen eines Gymnasiums jede Menge Experten für die verschiedensten Dinge. Manchmal hat er aber auch das Gefühl, dass er Schüler durch seine Nachfragen einfach zu Leistung anspornt. Dabei ist er sich natürlich der Kluft zwischen den Generationen, der vielen Jahre, die ihn von den betreuten Schülern trennen, wohl bewusst: Er ist nur für bestimmte Fragen zuständig und versteht sein Nachfragen nicht als Einmischung. Bisher ist er mit Schülern auf dieser sachlichen Basis auch ganz gut ausgekommen. So ist es auch bei Linda F.
Elena P., Klaus N. und Iris L. sind erst seit zwei bzw. drei Jahren nicht mehr am AAG. Sie haben von Mentoren-Programm an ihrer alten Schule erfahren und ermöglichen es seitdem Schülern der 11. und 12. Klasse, Kontakt zu Studenten aus verschiedenen Studiengängen zu haben und Hinweise zu Inhalten und Formalitäten zu erhalten.
Haben Sie den Eindruck, die Beispiele würden doch arg konstruiert wirken? Sind Sie der Meinung, die frühe Orientierung in beruflicher Hinsicht sei übertrieben?
Dann nehmen sie sich einmal eine Informationsbroschüre zur Hand, die über alle möglichen Berufe und Studiengänge in Deutschland informiert. Und dann versetzen Sie sich in die Lage eines jungen Menschen, der vor dieser Lebensentscheidung steht, vor ihm nur eine trockene Auflistung ihm zum Teil völlig unbekannter Möglichkeiten.
Und beobachten Sie die politische und ökonomische Diskussion: Die Forderung nach einer Senkung des Berufseintrittsalters, nach einer Verkürzung der Studienzeiten und nach zielstrebigen jungen Menschen wird immer lauter.
Darüber kann man klagen. Man kann aber auch versuchen, die Situation zu verbessern, indem man jungen Menschen früh Perspektiven aufzeigt und sie bei Entscheidungen, die man ihnen nicht abnehmen kann, unterstützt. Das ist eine gesellschaftliche Aufgabe, in manchen anderen Ländern an der Tagesordnung. Und eigentlich müsste es doch eine Selbstverständlichkeit sein: die junge Generation bekommt die Erfahrungen der älteren zu Gesicht und kann diese nutzen, darüber hinauswachsen, sich davon absetzen…
Ist das nicht am leichtesten möglich auf der Basis eines Engagements der Ehemaligen?